SSD vernichten: Warum ein Degausser nicht hilft – und was wirkt

Ein Degausser wirkt nicht auf SSDs und Flash-Speicher. Warum das so ist, welche Methoden der physischen Vernichtung funktionieren und wie Sie zwischen ihnen wählen.

Viele Organisationen besitzen bereits einen Degausser für ihre Festplatten und Bänder. Da liegt es nahe, auch SSDs durch dieselbe Maschine zu schicken. Das funktioniert nicht. Wer eine SSD vernichten will, braucht eine andere Methode, denn eine SSD speichert ihre Daten auf völlig andere Weise.

Warum ein Degausser bei einer SSD nicht wirkt

Ein Degausser löscht Daten mit einem starken Magnetfeld. Das funktioniert bei Festplatten und Bändern, weil sie Daten magnetisch speichern.

SSDs, USB-Sticks und der Speicher in Smartphones arbeiten anders. Sie speichern Daten in Speicherchips, nicht magnetisch. Ein Magnetfeld lässt diese Chips unberührt. Nach einem Durchlauf im Degausser sind die Daten auf einer SSD noch vorhanden.

Die Folge ist einfach: Die Chips selbst müssen zerstört werden. NIST SP 800-88 Rev. 2 beschreibt Destroy als Verfahren, das Datenträger unbrauchbar und eine Wiederherstellung undurchführbar macht, zum Beispiel durch Desintegration, Pulverisierung, Schreddern oder Schmelzen.

Zwei Wege für Solid-State-Datenträger

Garner bietet zwei Maschinen für die physische Vernichtung von SSDs an. Sie arbeiten unterschiedlich und führen zu einem unterschiedlichen Ergebnis.

Durchstechen mit einem SSD-Einsatz

Der SSD-1E ist ein Einsatz für den Destroyer PD-5E. Sie setzen ihn in die Vernichtungskammer, legen die Datenträger ein, und die Presse treibt 90 vernickelte Dorne durch die Speicherchips.

Die Kammer nimmt jeweils eine Standard-SSD, ein Smartphone oder eine SSHD-Controllerplatine auf. Kleinere Teile wie USB-Sticks kommen in die mitgelieferten Transporthülsen. Je nach Größe der Datenträger nennt Garner einen Durchsatz von 180 bis 720 Stück pro Stunde.

Dieser Weg passt zu Organisationen, die bereits einen PD-5E für Festplatten haben oder eine Maschine für Festplatten und SSDs wollen. Beachten Sie: Der SSD-1E durchlöchert die Chips; er zerkleinert sie nicht auf eine festgelegte Partikelgröße.

Zerkleinern auf eine festgelegte Partikelgröße

Der FLASHPRO-E ist ein Shredder für SSDs, USB-Sticks, Smartphones und CDs/DVDs. Schneidwalzen zerkleinern die Datenträger auf Partikel von 4 × 15 mm, die in einen 25-Liter-Auffangbehälter fallen. Garner nennt einen Durchsatz von bis zu 500 SSDs pro Stunde.

Die EMEA-Ausführung läuft mit 230 oder 240 V und erzeugt beim Zerkleinern 65 dB. Sie kann also in einer Werkstatt oder einem separaten Raum im Bürogebäude stehen.

Welcher Weg passt zu Ihrem Standard?

Entscheidend ist, ob Ihr Standard eine Partikelgröße vorschreibt.

ISO/IEC 21964 (vormals DIN 66399) fasst SSDs, USB-Sticks und Chipkarten in der Materialklasse E für elektronische Datenträger zusammen. Die Schutzklasse Ihrer Informationen führt zu einer Sicherheitsstufe, und diese Stufe legt fest, wie klein die Partikel sein müssen. Laut Garner erfüllt der FLASHPRO-E mit Partikeln von 4 × 15 mm die Sicherheitsstufe E-3. Welche Stufe Sie brauchen, ergibt sich aus Ihrer eigenen Risikobewertung oder aus den Vorgaben Ihres Kunden.

Ist eine Partikelgröße vorgeschrieben, ist ein Shredder der Weg. Ist sie es nicht, kann das Durchstechen mit dem SSD-1E je nach Ihrer Richtlinie ausreichen.

Für Verschlusssachen gelten andere Regeln. Nach dem NSA/CSS Policy Manual 9-12 müssen SSDs mit einem Gerät von der NSA/CSS-Liste für Solid-State-Geräte auf höchstens 2 mm desintegriert werden. Kein Garner-Produkt steht auf dieser Liste.

Bevor Sie beginnen

Für beide Maschinen gelten einige praktische Punkte:

  • Entfernen Sie zuerst die Akkus aus Smartphones.
  • Entfernen Sie Einbaurahmen und Metallgehäuse von Enterprise-SSDs.
  • Halten Sie Festplatten getrennt: Sie gehören in einen Degausser und danach in einen Destroyer. Der FLASHPRO-E ist nicht für Festplatten vorgesehen.

Gemischte Bestände: Festplatten und SSDs zusammen

Viele Organisationen mustern Festplatten und SSDs gemeinsam aus. Dann brauchen Sie zwei Methoden nebeneinander. Die Degauss-and-Destroy-Pakete von Garner kombinieren einen Degausser mit dem PD-5E, mit oder ohne Einsatz SSD-1E. Die DDR-Arbeitsplatzpakete bringen dieselben Maschinen auf einem Tisch mit abschließbarem Stauraum unter.

Dokumentieren, was Sie vernichtet haben

NIST verlangt auch, das Ergebnis zu verifizieren und zu dokumentieren. IRONCLAD erfasst jeden Datenträger mit einem Foto. Beim FLASHPRO-E fotografiert es die Datenträger vor dem Zerkleinern und nimmt sie in das Vernichtungszertifikat auf. Beim PD-5E erfasst es die Verformungstiefe und ein Foto.

Welche Methode passt zu Ihren Datenträgern?

Die richtige Wahl hängt von Ihren Datenträgern, Ihren Mengen und der Norm ab, die Sie nachweisen müssen. Fordern Sie eine persönliche Beratung an oder direkt ein Angebot.